Persönliches Zeugnis von Christa Behr

Christa Behr

Ich bin nach dem "Zweiten Weltkrieg" geboren, am 11.11. 1953, als drittes Kind einer landwirtschaftlichen Familie in einem kleinen Dorf, mit dem Namen Rosenweide, in der Nähe von Hamburg. Meine Familie gehört zur Evangelischen Lutherischen Landeskirche, in der ich auch vom Evangelium hörte. Schon als Kind liebte ich es in der Kinderbibel zu lesen, die Geschichten der Bibel sprachen mich persönlich an. Als Jugendliche habe ich von der schrecklichen Schuld Deutschlands gehört: zu Hause, in der Schule oder auch durch Filme im Fernsehen. Daher lehnte ich alle nationalen Gefühle ab und wollte die deutsche Nationalhymne auch aus diesem Grund nicht auswendig lernen, da nach meinem Verständnis vom Nationalismus viel Böses kam. Im Juni 1972 war ich als gelernte Gemüse- Gärtnerin in München tätig und bin dort durch eine Evangelisation mit David Wilkinson aus New York zum persönlichen Glauben an Jesus gekommen. Kurz danach besuchte ich für zwei Jahre eine Evangelische Bibelschule in Salzburg, die für die Evangelische Landeskirche in Österreich Religionslehrer und Gemeindeschwestern ausbildete. Nach der Schule im Herbst 1974 fing ich an, als Religionslehrerin und Gemeindeschwester in Haid- Ansfelden in Ober-Österreich tätig zu sein. Dort befand ich mich in einer totalen Pionier-Situation, denn die Pfarrstelle war für viele Jahre vakant und ein lebendiges Gemeindeleben fehlte weitgehend. Von Nord-Deutschland kommend, hatte ich bislang keine Kontakte zur Katholiken und war offen für Begegnungen mit Geschwistern aus der Katholischen Kirche. Glücklicherweise gab es in Haid einen Katholischen Priester, Kurt Waldhoer, der es mir zunächst einmal leicht machte einen positiven Eindruck von den Katholischen Kirche zu bekommen. Er war offen und ließ sich im November 1974 zu einer typischen Evangelisation in Linz einladen. Zwei Jahre später, 1976, begann er einen Gebetskreis in der Katholischen Pfarrei Haid, an dem ich regelmäßig teilnahm. In den folgenden Jahren erlebten wir eine kleine Erweckung und viele Jugendliche erkannten Jesus als ihren persönlichen Herrn und Erlöser. Österreich ist vorwiegend katholisch und so war es für mich viel einfacher Katholiken in einen katholischen Gebetskreis einzuladen, als in die Evangelische Kirche. Später entstand aus diesem Gebetskreis die „Rhema Gemeinschaft“ in St. Marien bei Linz. Im gleichen Jahr hörte ich einen Vortrag von meinem damaligen Seelsorger Otto Siegfried von Bibra auf einer Kassette, über Israels Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er sprach auch von der großen Schuld Deutschlands, dem Gott Israels gegenüber und am Jüdischen Volk. „Wir, als deutsches Volk, haben den Augapfel Gottes angetastet und damit Gott selber am sensibelsten Punkt getroffen" sagte er und zitierte Sacharja 2, Vers 12: „Denn so spricht der HERR der Heerscharen, nachdem die Herrlichkeit mich ausgesandt hat, über die Nationen, die euch geplündert haben - denn wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an." Wenn wir nicht Buße tun, wartet ein schreckliches Gericht auf unser Volk, egal wie viel Zeit schon verstrichen ist. Ich fing an zu weinen, denn plötzlich verstand ich, dass ich zu diesem Deutschen Volk gehörte, ob ich es wollte oder nicht und dass Gottes Zorn über unserem Volk bleibt, wenn wir nicht Buße tun. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als einen Beitrag zu leisten, damit diese schrecklichen Wunden geheilt werden, die wir dem Jüdischen Volk zugefügt haben. Ich schrieb mir diesen Vortrag von der Kassette ab und hielt ihn selbst, wo immer sich eine Tür öffnete.

Im Februar 1977 hatte ich die Möglichkeit, zum ersten Mal Israel zu besuchen, mit der katholischen Bibelgesellschaft und dem Kaplan aus Haid, Kurt Waldhoer. Es war mein großer Wunsch noch einmal Israel zu besuchen mit guten Freunden. Im Mai 1981 nahm ich eine Anstellung als Religionslehrerin und Angestellte für Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche in Salzburg an. Ich glaubte, dass der Herr mich von Haid nach Salzburg gerufen hatte. Gerade in Salzburg angekommen, begann meine zweiten Reise nach Israel im Mai 1981. Zu meinem Erstaunen fühlte ich ganz deutlich, dass der Herr mich nach Israel ruft, um Brücken zwischen Israel und der Kirche zu schlagen. Helga Pope sagte mir auf dieser Reise in Israel: „Lege es zurück und wenn es vom Herrn ist, wird es wiederkommen. Da ich gerade erst in Salzburg angefangen hatte und niemanden in Israel kannte, vergingen weitere 7 Jahre. 1988 traf ich in Berlin messianische Juden und ein Jahr später hat mich Steven Lightle auf einer Gebetsreise nach Israel mitgenommen. In den kommenden drei Jahren wollte ich herausfinden, ob die Berufung wirklich vom Herrn war und habe mit meinen Freunden in Österreich, Ungarn und Israel dafür gebetet. Imre Szabo und seine Frau Eva aus Ungarn hatten wichtige Eindrücke für mich bekommen. Durch die Begegnung mit Johannes Facius, Steven und Shel Shöberg aus Schweden öffneten sich die Türen zur weltweiten Fürbitte- Bewegung und durch die Tagung in Wien- Lainz im April 1989 entstand auch in Österreich „Fürbitte für Österreich“. Da ich diese Vorträge in Österreich vorbereitet habe, wurde ich als ein Repräsentant für Österreich zu den Internationalen Treffen eingeladen. Damals stellt sich auch für mich die Frage: Darf eine Frau etwas wie eine Pionierarbeit anfangen oder Vorträge halten? Ich habe für mich eine Antwort bekommen mit dem Vers aus Jeremia 1, Vers 6 "Da sagte ich: Ach, Herr, HERR! Siehe ich verstehe nicht zu reden, denn ich bin zu jung. Da sprach der Herr zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung. Denn zu allen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebiete, sollst du reden.“ Für mich war die Antwort: Sage nicht ich bin einen Frau, sondern ……. Von 1988 bis 1990 kam ich etliche Male nach Israel, um heraus zu finden, ob mein Weg wirklich nach hierher führt und in welche Stadt. Es verunsicherte mich, dass ich in Jerusalem viele Menschen traf, die glaubten einen Ruf nach Israel zu haben, aber sie wussten nicht, was sie hier tun sollten. Ich blieb eine Woche in einer Wohnung in Jerusalem mit der Bitte, dass der Herr mir eine Antwort gibt, warum er mich nach Israel sendet. Das Wort, das mich in dieser Woche am meisten ansprach, war aus Johannes 11, Vers 51-52 "Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in diesem Jahr Hohepriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk (Israel) und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes (aus den Nationen) zusammen zu bringen.“ Bislang hatte ich nicht erkannt, dass Jesus am Kreuz nicht nur für meine Schuld gestorben ist, sondern auch für die Einheit zwischen den Gläubigen aus den Juden und aus den Nationen. Diese Erkenntnis war mir sehr wichtig, dass Jesus auch Menschen rufen kann, die sich für die Einheit der Christen aus den Nationen mit den Messianischen Juden und dem Volk Israel einsetzten. Später las ich aus Epheser 2 Vers 14-16 „Denn er ist unser Friede. Der aus beidem eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft. Durch das Opfer seines Leibes hat er abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen, damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden mache und die beiden versöhne in einem Leib durch das Kreuz, in dem er die Feindschaft tötete durch sich selbst.“ Im Februar 1991, während des Golf Krieges, bin ich dann nach Jerusalem gezogen. Ich bezog eine kleine Wohnung in Jerusalem die Reuven Achimair, dem Anbetungsleiter in unserer Gemeinde gehörte. Leider musste ich die Wohnung, die ich etliche Wochen lang renoviert hatte, nach 5 Monaten wieder verlassen, weil der Besitzer sie verkaufen musste. Da ich einiges an Geld und Zeit in diese Wohnung investiert hatte, kam mir die Frage, ob ich nach Israel gekommen bin, um Wohnungen zu reparieren. Eines Tages las ich Jesaja 65 Vers 21- 22 "Sie werden Häuser bauen und bewohnen und Weinberge pflanzen und ihre Frucht essen. Sie werden nicht bauen und ein anderer bewohnt, sie werden nicht pflanzen und ein anderer isst.“ Ich wusste, dass der Herr mit mir redete und von nun an würde ich nicht mehr umziehen. Ich erkundigte mich, wie man als Ausländer länger in einer Wohnung bleiben konnte und man gab mir zur Antwort, dass es in Israel keine Mietschutzgesetze für Ausländer gibt. Nur Sozialfälle haben ein Anrecht auf eine ständige Wohnung. Die einzige Möglichkeit besteht darin ein Haus zu kaufen. Als ich mich mit dieser Frage beschäftigte, las ich in Matt. 19 Vers 29 „Es gibt niemanden der Vater und Mutter verlässt um meinet Willen der nicht empfängt Häuser…“.

Bislang war mir nicht aufgefallen, dass es auch eine Verheißung für Häuser gibt, wenn man um Jesu Willen alles verlässt. So wuchs die Gewissheit in mir, dass der Herr mir ein Haus geben möchte. Ich mietete für 11 Monate ein Haus in Alt Malha, zusammen mit einer Schweizerin, Kathrin und einem russischen Ehepaar mit Tochter. In meinem Rundbrief schrieb ich, dass ich glaube, dass Gott mir ein Haus geben möchte. Kurz danach hatte eine gute Freundin, Marie-Agnes Gräfin von Clary und Aldringen aus Salzburg, einen Traum. Sie träumte, dass sie in Jerusalem ein Haus kaufen würde und bat um eine Bestätigung. Als sie die Bibel öffnete, fiel ihr Blick auf einen Vers aus Jeremia 32 Vers 14 „Es werden wieder Häuser, Felder und Weinberge in diesem Land gekauft werden.“ Sie rief mich an und sagte: „Wenn du das Haus findest, werde ich es bezahlen. Ich habe 280 000$, weil ich eine Wiese an die Polizeidirektion in Salzburg verkauft habe." Sofort machte ich mich auf die Suche mit Hilfe eines Maklers, aber ich konnte kein Haus finden, das meinen Bedürfnissen entsprach, denn ich suchte ein Haus mit einem großem Wohnzimmer, weil des öfteren Gruppen von 20-30 Teilnehmer mein Haus aufsuchten. Da ich mich sowieso schon für 11 Monate mit einem Mietvertrag verpflichtet hatte, beschloss ich zu warten. Im Oktober hatte ich einen sehr besonderen Gast. Ivan war der Bischof der nicht registrierten Pfingstgemeinden, der gesamten ehemaligen UdSSR. Er empfing ein Bibelwort aus Apostelgeschichte 12 Vers 12 für mich und für das Haus. „… kam er (Petrus) an das Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus, wo viele versammelt waren und beteten."

Nach einem halben Jahr informierte mich mein Rechtsanwalt, dass das Haus in dem ich schon wohnte, zum Verkauf freigegeben ist. In meinem Herzen wusste ich, dass dies das Haus ist, das der Herr mir geben wollte, aber es fehlten weitere 100 000$. Nachdem einige Versuche diesen Betrag auszuleihen scheiterten, entschloss sich die Gräfin Marie- Agnes ihre letzte Wohnung an ihren Sohn zu verkaufen, um so das ganze Haus mit Rechtsanwalt- und Steuer –Unkosten zu bezahlen. Ein Jahr nach ihrem Todestag am 30.01.2009 habe ich eine Gedenktafel angebracht, mit dem Wort aus dem Psalm 103 Vers 2 „Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht was er dir Gutes getan hat.“ Diese Erfahrung war für mich eine große Bestätigung meiner Berufung nach Jerusalem und dass ich mich nicht verhört hatte. So etwas geschieht selbst in Jerusalem nicht jeden Tag, dass jemand auf diese Weise ein Haus geschenkt bekommt. Nun war noch eine Frage offen, wie bekomme ich ein Visum um in Israel wohnen zu können? Auf den Rat von den Jesusbrüdern in Latrun hin, bat ich den Probst der Evangelischen Kirche, Karl- Heinz Ronecker, um ein Gespräch. Er war bereit der Bitte des Evangelischen Bischofs in Österreich, Dieter Knall, nachzukommen und hat einen Antrag für mich gestellt, auf ein religiöses Visum beim Israelischen Religionsministerium. Ich bin sehr dankbar, dass der Herr mir diese Tür geöffnet hat und ich auf diese Weise schon 20 Jahre in Israel wohnen darf. Von nun an vertiefte sich der ganze Auftrag in Bezug auf den Ruf zur Buße, Versöhnung und Wiederherstellung in der Beziehung zwischen Deutschland, Österreich und Israel. Nach und nach verstand ich, dass man auch stellvertretende Buße tun kann, für unsere Familien, Gemeinden und für unser Volk, wie wir es im Propheten Daniel Kapitel 9 lesen.

Die Überzeugung wuchs in mir, dass unsere Generation auch nicht besser ist. JESUS warnt uns deutlich, so zu denken, indem er zu den Pharisäern sagt, wie falsch sie liegen, wenn sie meinen, sie hätten die Propheten nicht umgebracht, wenn sie zur Zeit der Väter gelebt hätten. Durch das Wort aus 2. Samuel 21, Vers 1-3 wurde mir noch deutlicher, dass der geistliche Segen über unserem Land ausbleibt, wenn wir uns nicht mit der Sünde unseres Volkes identifizieren: „Und es gab eine Hungersnot in den Tagen Davids, drei Jahre lang, Jahr für Jahr. Und David suchte das Angesicht des HERRN. Und der HERR sprach: Wegen Saul und wegen des Hauses der Blutschuld, weil er die Gibeoniter getötet hat! Da rief der König die Gibeoniter herbei und redete zu ihnen. - Die Gibeoniter aber, sie waren nicht von den Söhnen Israels, sondern vom Rest der Amoriter. Und die Söhne Israels hatten ihnen geschworen, sie zu verschonen. Saul aber hatte versucht, sie zu erschlagen in seinem Eifer für die Söhne Israels und Juda. – David also sagte zu den Gibeonitern: Was soll ich für euch tun? Und womit soll ich Sühne tun, damit ihr das Erbteil des HERRN segnet?“ Dennoch ist die Antwort auf Gottes Ruf zur priesterlichen und stellvertretenden Buße freiwillig, wie wir es in Jesaja 6 lesen: „Wen soll ich senden, wer will mein Bote sein?“ Jesajas Antwort war: „Hier bin ich, sende mich!“ Ich erkannte, wie sehr auch wir als Volk die Reinigung vom Herrn benötigen.

In Jerusalem schloss ich mich einer messianisch- jüdischen Gemeinde an. Unsere Pastoren Benjamin und Rueven Berger sind leibliche Brüder und Kinder von Holocaustüberlebenden. Ihr Vater war ein deutscher Jude aus Leipzig und ihre Mutter eine Österreichische Jüdin aus Deutschkreuz. Ein großer Teil der Familie mütterlicherseits ist in Auschwitz umgebracht worden. Ich selber habe 18 Jahre in Österreich gewohnt und als Evangelische Religionslehrerin an öffentlichen Schulen gearbeitet und habe nach 13 Jahren die Österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Viele Österreicher waren sich damals nicht bewusst, dass Österreich nicht in erster Linie ein Opfer des Nazi- Regimes war, sondern leider viele Leiter der SS und des Nazi- Regimes Österreicher waren, wie Eichmann, Johann Stangl und auch Amon Göth. Hitler ist ebenfalls gebürtiger Ober-Österreicher. 1938 hatte die überwiegende Mehrheit den Anschluss an Hitler- Deutschland willkommen geheißen. Mehrere Jahre war ich mit messianisch- jüdischen Pastoren in Deutschland unterwegs, um in verschiedenen Kirchen über unsere schuldbeladene Vergangenheit und die notwendige Buße zu sprechen. Dann luden wir 1993 zum ersten Mal zu einem Bußgottesdienst in dem ehemaligen KZ Bergen-Belsen ein. Während wir beteten, erlebten Benjamin Berger und ich zum ersten Mal mit, wie weinend tiefe Bußgebete von meinem Onkel und anderen Geschwistern kamen, besonders über die Tatsache, dass die Kirche zu dieser Zeit zum größten Teil schwieg und einige Pastoren sogar das Nazi-Regime unterstützen. Wir verstanden, dass es sehr wichtig ist, an die Orte des tatsächlichen Grauens zu gehen, um dort um Vergebung zu bitten.

Von 1994 bis 1995 war das 50. Jahr nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Wir hatten die Hoffnung, dass durch Bußgottesdienste in den ehemaligen Konzentrationslagern sich in der geistlichen Atmosphäre etwas in unseren Ländern verändern würde. So bereitete ich 10 Bußgottesdienste in ehemaligen KZs in Deutschland und Österreich vor und zwei Gebets-Reisen nach Polen, in das größte Konzentrationslager Auschwitz. Gläubige Christen, die 50 Jahre sich der Schuld unseres Volkes nicht gestellt hatten, fingen an zu weinen und konkrete Familienschuld zu bekennen. Für viele fing ein Prozess der Reue und Buße an. Besonders bewegend war der Bußgottesdienst in Buchenwald in der Nähe von Weimar. 300 Christen hatten sich auf den Weg gemacht, um mit uns auf dem Apellplatz um Vergebung zu bitten. Daniel Yahav, ein Pastor aus Tiberias, besuchte mit mir die ehemaligen KZ-Lager im Westen Deutschlands in Neuengamme, Esterwegen, Flossenburg und Bergen- Belsen bei Hannover. Wir besuchten auch gemeinsam das ehemalige Lager in Auschwitz, denn sein Vater hatte Auschwitz überlebt. Benjamin Berger, Pastor in Jerusalem, besuchte mit mir die ehemaligen KZ-Lager in Ost- Deutschland und Österreich. Sachsenhausen, Ravensbrück, Dora Mittelbau, Buchenwald und Mauthausen.

Dennoch hatten wir den Eindruck, dass der HERR mit uns noch viel tiefer gehen möchte, im Erkennen und Identifizierung unserer Schuld. So luden wir am Ende dieses 50. Jahres zu einer Fasten- und Gebetswoche im größten ehemaligen KZ, in Auschwitz, ein. Das fünfzigste Jahr ist in der Bibel ein Jubeljahr, ein Jahr der Freisetzung und das galt auch für alle jüdischen Sklaven in Israel. Allerdings geschieht diese Befreiung von Schuld nicht automatisch und Daniel achtete auf die Zahl der 70 Jahre beim Propheten Jeremia und fing an, sich vor Gott zu demütigen, im Gebet und Fasten. Daniel 10, Verse 12 “Fürchte dich nicht, Daniel! Denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden. Und um deiner Worte willen bin ich gekommen.“ Es brauchte also zu der Verheißung auch die menschliche Antwort. Es ist bemerkenswert, dass der HERR mit Daniel nicht mehr über die Vergangenheit spricht, sondern über die Zukunft, die bis in unsere Zeit hineinreicht. Er braucht mit Daniel nicht mehr über die Schuld der Vergangenheit zu sprechen, denn Daniel hat von der eigenen Schuld und der Schuld seines Volkes nichts verschwiegen. Er darf schon schauen, was wir später auch in der Offenbarung des Johannes lesen können. Hier liegt auch ein Geheimnis verborgen. Wer in stellvertretender Buße, besonders die Schuld seines Volkes bekennt, bekommt sehr oft Offenbarung über die erlösenden Absichten Gottes mit seinem Volk für die Zukunft. Sehr oft werden wir in dieser stellvertretenden Buße missverstanden und gefragt: „Wie könnt ihr die ganze Zeit nach hinten schauen?" Die Wahrheit ist, dass wer sich nicht mit der Schuld in der Geschichte, besonders der Kirchengeschichte identifizieren will, ist auch nicht vorbereitet für die Zukunft. In der Bibel lesen wir, dass der Engel Gabriel nur dreimal von Gott gesandt wird, zu Daniel, Zacharias und Maria, der Mutter Jesu. Nur zu Daniel und Maria kommt er mit einer absolut positiven Botschaft. Zu Daniel sagt er: "Daniel du vielgeliebter Mann!" Daniel 10 Vers 11. Zu Maria sagt er: "Sei gegrüßt, Begnadete! Der Herr (ist) mit dir." Lukas 1 Vers 28. Zu Zacharias muss er sagen: „Und siehe, du wirst stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, da dies geschehen wird, dafür dass du meinen Worten nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden.“ Lukas 1 Vers 20. Es zeigt uns, wie sehr Gott sich freut über die Bereitschaft Daniels, sich über die Schuld des Volkes zu stellen. Daniel war, soweit wir wissen, nicht vom Priestergeschlecht, obwohl er eindeutig vor Gott als ein Priester für sein Volk steht. So können wir auch auf Gottes Ruf antworten, wenn er uns zur priesterlichen Buße für unser Volk ruft. Offenbarung 1 Verse 6 “und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen."

In dieser Gebets- und Fasten- Woche in Auschwitz 1995 ist uns der HERR in besonderer Weise begegnet. Nachdem wir als Gruppe die riesigen Ausmaße des größten Konzentrationslagers sahen, in dem mindestens 1,5 Millionen Menschen in ca. 5 Jahren gequält und ermordet wurden, waren wir ganz sprachlos und unsere Gefühle waren wie eingefroren. Vielen ergeht es so, dass sie am Anfang auch nicht beten können, da man sich unweigerlich fragt: Wie konnte das geschehen und wo war Gott in dieser Zeit? Es schien uns unmöglich, an diesem Ort ein Programm für die Gruppe zu machen, sondern wir trafen uns nur in einem kleinen Kreis, um uns über die weitere Führung des HEILIGEN GEISTES auszutauschen. Der HERR schenkte uns Buße, mit vielen Tränen in der Gruppe. Wir waren 72 Teilnehmer für die ganze Woche, vorwiegend aus Deutschland und 60 Geschwister stießen noch dazu in den letzten drei Tagen. Zuerst demütigten wir uns vor Gott in den Ruinen des zerbombten Krematoriums 1 und an einem anderen Tag versammelten wir uns auf dem so genannten Aschenfeld, auf dem die Asche von Millionen von Menschen liegt. Wir dachten an das Wort aus dem Hebräer Brief, Kapitel 12, Vers 24: “Sondern ihr seid gekommen ….. zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes und zum Blut der Besprengung, das besser als (das Blut) Abels.” In Auschwitz fühlt man, wie das unschuldige Blut Abels aus der Erde nach Rache schreit. Nur das Blut JESU spricht besser und schreit nach Barmherzigkeit. Ohne es zu planen, war in dieser Woche auch eine Gruppe von ca. 700 jungen Israelis in Auschwitz, die am Marsch der Lebenden teilnahmen. Nachdem sie die Ausstellungen und Bilder gesehen hatten, brachen manche Jugendliche förmlich zusammen. Einige aus unserer Gruppe hatten den Mut zu ihnen zu gehen, um sie um Vergebung zu bitten. Später hörten wir in Israel, eher durch Zufall, dass eines der jungen Mädchen sagte: "Wir haben dort in Auschwitz einige Christen aus Deutschland getroffen, die uns um Vergebung gebeten haben und nun habe ich wieder Hoffnung für Israel und für Deutschland." Dreimal gab uns der HERR durch Bilder zu verstehen, dass er noch viele Menschen nach Auschwitz bringen will, aus all den Ländern in denen sie ausgeliefert wurden, um dort einen Geist der Buße zu geben.

Während dieser Gebets- und Fasten- Woche zeigte mir der HERR, dass sie ihre Fortsetzung in Israel finden sollte, dem Land der Auferstehung für das jüdische Volk und der ersten Kirche. Seit dem Jahr 1995 hatten wir in Israel alle drei Monate Gebets- und Fasten- Tage und einmal im Jahr eine Gebetswoche. 1997 waren wir für eine Woche in Rom zum Gebet versammelt und baten den HERRN, dass doch die Herrlichkeit nach Jerusalem zurückkehren möge. Man hatte im Jahr 70 nach Chr. nicht nur die Menorah von Jerusalem nach Rom gebracht, sondern auch die Art und Weise, wie die Kirche aus den Nationen Petrus, Paulus und Maria vereinnahmte, macht es den Messianischen Juden heute schwer, in Petrus den Apostel der Beschn eidung zu sehen, wie er im Brief an die Galater genannt wird. In den Jahren 1997 und 1998 waren Benjamin Berger, einer unserer Pastoren und ich in Ruanda als ein Zeugnis zu den Hutus und Tutzis, die 1994 gerade einen großen Völkermord erlebt haben. Auch dort beteten wir zweimal in Wochen des Fastens und Betens mit Christen aus beiden Stämmen zusammen. Vom 25. Dezember bis zum 2. Januar 2000 waren wir eingeladen bei ihrem ersten größeren Buß- und Versöhnungstreffen im Fußballstadion, der Hauptstadt Kigali zu sprechen und ein Zeugnis zu sein von der Versöhnung und Buße, die Gott in der letzten Zeit zwischen Deutschen, Österreichern und Israel geschenkt hat.

Die Frage ist manchmal: Warum ist es so wichtig, sich zum Beten und Fasten zu treffen? Wir lesen in der Apostelgeschichte Kapitel 13 Verse 2: “Während sie aber dem HERRN dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!“ Mit Beten und Fasten können wir dem HERRN dienen und der HEILIGE GEIST fängt an zu sprechen. Sie hatten sich noch nicht vorher ausgemacht, wofür sie beten und fasten wollten, sondern sie waren einfach offen für das Reden des Heiligen Geistes. In Bezug zu unserer Vergangenheit können wir auch nur sagen: Nur Gottes Geist kann uns zeigen, wo die Hindernisse wirklich liegen und was die nächsten notwendigen Schritte sind. Sehr selten geht man auf eine Konferenz, wo man dem HERRN dient im Beten und Fasten und das Programm nicht vorher festgelegt ist. Wir haben oftmals ein bisschen Angst vor dem Ungewissen, das damit verbunden sein konnte. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich von den letzten 16 Jahren in Israel berichten.

Schalom und liebe Grüße von Christa